Tarife

  • Welche Tarife gelten für die Krankenversicherer?

    Die obligatorische Krankenpflegeversicherung leistet einen Beitrag an die Pflegeleistungen, die aufgrund einer ärztlichen Anordnung und eines ausgewiesenen Pflegebedarfs (Bedarfsabklärung) in der ambulanten Pflege geleistet werden. Die Festsetzung der Tarife liegt in der Kompetenz des Bundesrats.

    Krankenkassentarife pro Stunde:

    Abklärung und Beratung              Fr. 79.80 

    Untersuchung und Behandlung    Fr. 65.40

     Grundpflege                                 Fr. 54.60

    Die zeitliche Regelung ist in Art. 7a 2 KLV enthalten. Die Vergütung erfolgt in Zeiteinheiten von 5 Minuten. Zu vergüten sind mindestens 10 Minuten.

  • Dürfen den KlientInnen Wegpauschalen und weitere Zusatzleistungen verrechnet werden?

    Nein. Es gilt der Tarifschutz gemäss Art. 44 Krankenversicherungsgesetz (KVG). Das heisst, auf den vom Bundesrat festgelegten Pflegetarifen dürfen keine anderen Zuschläge erhoben werden. Die Wegzeit und die Administration sind in den Pflegetarifen inbegriffen und dürfen den Klientinnen und Klienten nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

  • Wer profitiert von der Patientenbeteiligung?

    Die Beteiligung der Patientinnen und Patienten an den Pflegekosten kommt vollumfänglich den Gemeinden bzw. der Allgemeinheit zugute, da damit die Restkosten kleiner werden, Die Tarife der Krankenkassen werden gesetzlich festgelegt und sind einheitlich.

  • Wie werden Pflegeleistungen bei Unfall vergütet?

    Aufgrund den im Unfallversicherungsgesetz (UVG) geltenden Prinzipien der Vollkostendeckung hat der Unfallversicherer die gesamten ärztlich angeordneten Pflegekosten zu übernehmen. Nach wie vor fehlt jedoch eine vertragliche Regelung über die Höhe eines schweizweit geltenden UVG-Tarifs für ambulante Leistungen der Spitex, sodass dieser Grundsatz nicht erfüllt ist.

    Die Frage, wie die UVG-Leistungen von Spitex Organisationen zu vergüten sind, ist schon länger beim Bundesamt für Gesundheit hängig. Leider wurden entsprechende Verhandlungen zwischen der Zentralstelle für Medizinaltarife und dem Spitex Verband Schweiz sowie der Association Spitex privée suisse Ende 2015 vorübergehend unterbrochen.

    Spitex KlientInnen sind von dieser unschönen Situation nicht betroffen, denn allfällig ungedeckte Kosten dürfen nicht den KlientInnen verrechnet werden.

    Der Spitex Verband Aargau setzt sich bei den zuständigen Stellen dafür ein, dass endlich eine vertragliche Regelung erreicht werden kann.

  • Wird bei Unfall auch eine Patientenbeteiligung verrechnet?

    Nein. Auf pflegerische Leistungen, die über die UV, MV oder IV abgerechnet werden, darf keine Patientenbeteiligung erhoben werden. Bei der Aufnahme von Klientinnen und Klienten muss klar sein, welche Versicherung zuständig ist (Auskunftspflicht der Klientinnen und Klienten).

    Bei Personen, die bei einem Krankenversicherer unfallversichert sind (z.B. Personen ohne Erwerbsarbeit) läuft auch ein Unfall über das KVG (vgl. auch Art. 8 KVG), die Patientenbeteiligung muss somit erhoben werden.

  • Bezahlen die Versicherer auch bei Unfall an hauswirtschaftliche Leistungen?

    Gemäss Art. 10 UVG müssen die Leistungen der Hilfe zu Hause (Hauswirtschaft) wegen dem fehlenden Behandlungscharakter nicht obligatorisch vom UVG-Versicherer bezahlt werden. Für die Versicherer gilt jedoch, die Kosten/Nutzen-Überlegungen im Einzelfall nicht ausser Acht zu lassen (z.B. Einsparung hoher Spitalkosten durch frühzeitige Rückkehr nach Hause). Die Auslegung der einzelnen Versicherer kann deshalb unter Umständen unterschiedlich sein.

  • Übernimmt die IV Spitex-Leistungen bei Kindern?

    Im Gegensatz zur Krankenversicherung wird die Grundpflege bei Kindern mit Geburtsge-brechen bei der IV nicht über die Spitextarife abgegolten. Dies hat zur Folge, dass gegenüber der IV auch nur zwei der drei Leistungskategorien gemäss Artikel 7, Absatz 2 KLV verrechnet werden können, nämlich:

    a. Massnahmen der Abklärung und der Beratung
    b. Massnahmen der Untersuchung und der Behandlung.

    Anstelle der Grundpflege erhalten die Eltern für den Mehraufwand bei der Pflege des behinderten Kindes von der IV Geldleistungen. Es handelt sich dabei um die Hilflosenentschädigung und den Intensivpflegezuschlag. Wenn die Eltern die Pflege nicht selbst erbringen, können sie eine Person (z.B. eine Spitex-Pflegefachfrau) mit der Pflege betrauen und das von der IV erhaltene Geld dazu verwenden, die Arbeit dieser Person zu finanzieren. Somit kann die reine Grundpflege nicht zulasten der Invalidenversicherung verrechnet werden. Wenn Leistungen der Grundpflege erbracht worden sind, sind diese Aufwendungen direkt dem Versicherten bzw. dessen Eltern in Rechnung zu stellen. Auf der Rechnung an die IV können somit nur noch Leistungen der „Abklärung/Beratung“ oder „Untersuchung/Behandlung“ sowie der „Überwachung“ aufgeführt werden. Bezeichnungen wie „Grundpflege“, „Komplexe Grundpflege“ oder „Mischtarif“ können deshalb nicht mehr verwendet werden. Da die Spitex kantonal organisiert ist, ist bei Problemen eine Kontaktaufnahme zwischen der Spitex Organisation und der zuständigen IV-Stelle in jedem Fall sinnvoll.

    Erfreulicherweise hat Bundesamt für Sozialversicherungen in Zusammenarbeit mit diversen Kinderspitex-Organisationen und einer Vertretung der Behindertenverbände den Katalog der verrechenbaren Leistungen erweitert und die maximal anrechenbare Zeit wurde für eine Reihe von Pflegemassnahmen erhöht. Diese Massnahmen der Behandlungspflege sind immer von der IV zu vergüten, wenn sie von einer Spitex-Organisation erbracht werden. Nur wenn die Eltern oder andere Bezugspersonen die Behandlungspflege freiwillig im Rahmen ihrer Kapazitäten und Fähigkeiten übernehmen, erfolgt keine Vergütung.
    Welche Massnahmen von den Fachpersonen der Spitex-Organisationen zu erbringen sind und welchen Teil der Behandlungspflege die Eltern übernehmen können, soll zwischen Ärzten, Spitex-Organisationen und Eltern im Konsens festgelegt werden.

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